A chinese lion statue Altbauten der Gründerzeit und des Jugendstils sind eine Brücke zu vergangenen Bauidealen, die uns durch Kriege, ökonomisches Kalkül und architektonische Paradigmenwechsel abhanden gekommen sind. Feingliederigkeit der Architektur, symmetrisches Fassadenbild, handwerkliche Solidität und Detailtreue sowie bausubstanzieller Überfluss charakterisieren die Häuser der Jahrhundertwende.
In einer "Moderne" mit K-Bewertungen und Energieeffizienzansprüchen, besonders im Wohnbereich, wirken Altbauten wie Dinosaurier. 
Aber nur auf den ersten Blick. Die Enegieeffizienz wird bisher über die einseitigen Durchgangskoeffizienten der Bauteile von innen nach außen berechnet. Insolationseffekte (Wärmeeintrag von außen) finden keine Berücksichtigung. Erfahrungen mit Wintergärten zeigen aber, dass Wärmeeffekte von außen wesentlich für das Raumklima sein können.
Parallel zu den einseitigen Wärmeberechnungen verändert sich die meteorologische Datenlage. Stadtplaner berücksichtigen die Temperaturentwicklungen, Straßenbeschattungen gewinnen an Bedeutung.
Die Styroporverhüllungsideologen läßt das kalt; sie verweisen auf die CO²-Ersparnis. Das Argument ist ohne Zweifel gewichtig. Leider läßt es sich auch als "Totschlagargument" verwenden.
Altbauten sollen, unabhängig von bauphysikalischen und architektonischen Erwägungen, eingepackt werden. Wegen der hohen Kosten dürfen es dann maximal Styroporgewänder werden, die mit einer dünnen Putzschicht überzogen werden. Hier ist die Bauphysik wegen der unterschiedlichen Dehnungs- und Dichtekoeffizienten der aufeinandergekleisterten Bausubstanzen noch einmal richtig gefordert. Im physikalischen Sinn "atmet" ein Gebäude natürlich nicht; Feuchtetransport und Reaktionen auf Temperaturdifferenzen finden aber statt. Die äußere Putzschicht ist millimeterdünn und schnell durchnäßt, Algenbildung die Folge. Im Sockelbereich kommt die Stoßempfindlichkeit hinzu. Ergebnis: Sekundärisolationen im Baubestand generieren physikalische, ästhetische und schließlich auch ökonomische Probleme:
Der Erhaltungsaufwand  wächst immens.
 
Sind unsere Altbauten durch die  Dämmungsintention der Gegenwart in ihrer Substanz gefährdet? 
Was geschieht mit den Balkenlagen und Einschüben der Geschoßgrenzen, denen durch abdichtende Boden- und Deckenkonstruktionen die eingetragene Feuchte kaum mehr entzogen werden kann. Balkendurchfeuchtung im Auflagerbereich ist  baugefährdend.
Dass Gebäude energiesparend errichtet und ausgelegt sein sollen wird nicht in Frage gestellt. In Zweifel gezogen wird nur, dass die nachträgliche Isolation des Gebäudebestandes mittel- und langfristig einen positiven ökonomischen und  ökologischen Nutzen/Kosten-Effekt haben wird. 
Wer einmal eine Styroporfassade rückgebaut hat zweifelt überdies am ökologischen Gehalt der Sekundärisolation. Rückbau ist immer staubig und schmutzig, aber bei alter Bausubstanz immerhin noch mineralisch.
Kann man so etwas wie im Bild oben noch erhalten, sollte man hier nicht besser (d.h. technisch sauber, ökonomisch vernünftig, möglicherweise sogar ökologisch vorbildlich) rück- und neubauen. Wie sonst kann man die aktuellen technischen Standards erfüllen.
Wer aber wird einem heute ein solches Treppenhaus errichten?         
Diese Konstruktion ist heute kaum mehr herzustellen, allenfalls als Liebhabergewerk von ausgesuchten Handwerkern zu unkalkulierbaren Kosten . Das Treppenhaus ist keinewegs überwältigend schön, es hat aber eine Einzigartigkeit, ein Flair. Fast hundert Jahre haben Menschen sich darin bewegt. Die Bausubstanz ist gut und taugt für lange Zeit.
      
Die Haustürerneuerung stellt alte Proportionen wieder her, wenn gleich die geschwungenen Linien des Jugendstils der ursprünglichen Baupläne vermut-lich schon 1913 nicht umgesetzt worden waren und auch bei der Renovie-rung dem Türenbauer zu akzeptablen Preisen nicht abzugewinnen waren. Farbglaseinlagen waren aber möglich.
Im Treppenhaus wurde der ursprünglich Ölfarben- und Tapetengeschützte Bereich erhöhter Wandkontakte (passierende Menschen), der viele Putz-schäden aufwies, bis auf den Ziegelstein freigelegt und der darübergele-gene, erneuerte Putz in Höhe der alten Tapetenleiste mit einer Profilleiste gesichert. Konstruktionselemente, die wir als schön empfinden, wurden sichtbar gemacht, ohne ein dunkles, rustikales Ambiente zu schaffen.
Der Terazzobelag der Treppen und Podeste blieb erhalten.
Altbauarchitektur, insbesondere renovierte, wird von vielen Menschen geschätzt und geliebt, trotz vieler Schwächen wie z. B. erhöhter Trittschallübertragung, verminderter Wärmedämmung etc.. Altbauten stehen häufig in den alten Kernen der Städte und in den Altstadtgürteln. Und Städte mit restaurierten historischen Gebäude-ensembles gelten als attraktiv.
Selbstverständlich brauchen wir Neubauten, auch neue Stadtviertel, die Vielfalt jedoch, die Abfolge von Alt und Neu, macht den Reiz des Urbanen.